Wenn das Wollen, nicht das Müssen im Mittelpunkt steht...
Wenn das Wollen, nicht das Müssen im Mittelpunkt steht....
Wir leben zunehmend in einer digitalen Welt. Social media machen die Kommunikation leicht und jederzeit verfügbar, ohne direkten persönlichen Kontakt mit dem Gegenüber haben zu müssen. So weit, so gut. Aber sind wir als Menschen nicht auch auf das persönliche Gespräch, auf die menschliche Nähe, auf den direkten Blick-Kontakt, auf das Wahrnehmen von Mimik, Gestik und auch auf Berührung angewiesen? Vor allem im Alter, wenn die Möglichkeiten des Kontakte-Pflegens aus verschiedenen Gründen weniger werden? Und erst recht dann, wenn man in einer Senioreneinrichtung lebt?
Bei einem Besuch in einer Senioreneinrichtung in Bernkastel-Kues habe ich kürzlich erlebt, wie das ohnehin sehr engagierte Personal einen ganz besonderen Ansatz verfolgt, der diese Mitmenschlichkeit erleb- und erfahrbar macht und der gleich zwei Ziele miteinander verbindet: Zum einen wird Menschen jeden Alters Gelegenheit geboten, sich für ältere Menschen ehrenamtlich zu engagieren, zum Anderen wird auf diese Weise ergänzend zu den ohnehin zahlreichen Angeboten des Hauses zusätzliche Abwechslung, Freude und Hilfe in den Alltag der BewohnerInnen gebracht.
Was mich an diesem Modell fasziniert. Alle an einem Ehrenamt Interessierten haben die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was Sie tun: wollen, sie selbst entscheiden über die Form ihres Tuns – ganz nach persönlichen Wünschen und Fähigkeiten. So Vieles ist möglich - sei es der Besuch von einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern, das Begleiten bei kleinen Spaziergängen ums Haus, das Schieben eines Bewohners mit dem Rollstuhl zu Veranstaltungen im Haus oder außerhalb, das gemeinsame Kuchenbacken mit den SeniorInnen, Gesellschaftsspiele spielen, gemeinsames Singen, das Erledigen kleiner Besorgungen, das Pflegen von Hochbeeten mit BewohnerInnen oder das stundenweise Mitarbeiten im Cafe der Einrichtung, das für alle offen steht und bei Begegnungen die Möglichkeit schöner Gespräche bietet. Bei all diesem Tun steht also hier nicht das „Müssen“ im Vordergrund, sondern das eigene Wollen. Dass man auch selbst entscheiden kann, wann und wieviel man tun möchte versteht sich dabei von selbst. Die Ehrenamtlichen werden vom Haus dabei bestens begleitet und sind Teil der Dienstgemeinschaft, was die Wertschätzung der Ehrenamtlichen unterstreicht.
Bereits dort tätige Ehrenamtliche berichteten mir, wie viel Freude dieses Engagement ihnen selbst bereitet und dass man sich immer wieder auf das nächste Mal freue. Ich finde, bei dieser Form des freiwilligen Engagements für die Mitmenschen gibt es nur Gewinner: Die BewohnerInnen, die Ehrenamtlichen – und die Nächstenliebe, die ja Grundauftrag für uns Christen ist. Vielleicht wäre es ja mal einen Versuch wert, in diese Form des gelebten Glaubens hineinzuschnuppern und zu erfahren, dass die Freude, die man bringt, stets zu einem zurückkehrt....
