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Moselzauber: Ein Ton für alle Lagen

Datum:
25. Apr. 2026
Von:
Armin Surkus-Anzenhofer

„Moselzauber“ ist mehr als ein klangvolles Werbestück für eine schöne Region. Das Projekt zeigt, dass echte Musik, wie echtes Leben, nicht nur aus hellen, gefälligen Tönen besteht. Gerade darin liegt seine Überzeugungskraft: Es spart die dunkleren, herausfordernden Seiten nicht aus, sondern gibt ihnen bewusst Raum in der Gesamtkomposition.

Besonders deutlich wird das im eigens für den Moselzauber komponierten Werk „Die Mosel – Bilder eines Flusses“ von Rainer Serwe. In vier Sätzen mit Sonnenaufgang, Arbeit im Weinberg, Mosel und Weinfest entfaltet sich ein musikalisches Bild des Lebens am Fluss. Zur Idylle gehören hier auch die Mühe der Arbeit in den Steillagen ebenso wie die immer wiederkehrende Bedrohung durch Hochwasser. Diese Spannungen werden nicht beschönigt, sondern hörbar gemacht. Erst im Zusammenspiel aller Teile entsteht ein stimmiges, wahrhaftiges Ganzes.

Genau darin liegt die Stärke des Projekts und eine Botschaft über die Musik hinaus: Die Töne aller Lebenslagen haben ihren Platz, auch die lauten, dunklen oder unbequemen. Sie werden nicht ausgeblendet, sondern integriert. Kraftvolle Stücke wie das spür- und erlebbare „Windpower“, das durch den Raum fegt, gehören ebenso dazu wie ruhige, getragene Passagen. Nicht glätten, nicht verschweigen, sondern ehrlich bleiben. Wie in der Musik gewinnen auch im Leben die einzelnen Töne erst im Gesamtklang ihren Sinn.

Diese Haltung spiegelt sich auch im Miteinander wider. Musikerinnen und Musiker aus Detzem, Klüsserath, Leiwen und Piesport, ergänzt durch Gäste aus der Eifel, bilden ein rund 130-köpfiges Orchester. Um die Mosel in all ihren Facetten hörbar zu machen, braucht es viele Stimmen. Vielfalt ist hier kein Nebeneffekt, sondern Voraussetzung.

In den Proben wird das konkret: Dirigent Johannes Born arbeitet präzise mit dem Ensemble, Spannung halten, aufeinander hören, gemeinsam gestalten, integrieren. Laut und leise, fordernd und getragen geht es zu. Jeder Ton zählt.

So wird der Moselzauber zu einem musikalischen Bild dessen, was die Region ausmacht: Schönheit und Herausforderung, Arbeit und Feier, Bedrohung und Hoffnung. Und es wird spürbar: Musik und Leben leben davon, dass es einen Ton für alle Lagen gibt, den es bei aller Unterschiedlichkeit, manchmal auch Schwierigkeit, ins Ganze zu integrieren gilt. Dass dies am besten nicht allein geschieht, bringt „Moselzauber“ (mosel-zauber2026) glaubhaft zu Gehör.

 

Armin Surkus-Anzenhofer,

Pastoralreferent für Jugend- und Familienpastoral,

Pastoraler Raum Wittlich