Mit dem Zweiten sieht man besser!
Mit dem Zweiten sieht man besser!
Unlängst gehörte ich zu einer Gruppe, die das ZDF in Mainz besucht hat. Nach einer persönlichen Begrüßung gab es als Willkommen eine nette filmische Spielerei: In einem Green-screen-Bereich sah es so aus, als würde der heute-journal Moderator Siewert die Gäste einzeln persönlich begrüßen. Dabei war er gar nicht leibhaftig anwesend. Wir hatten alle Spaß und schossen Fotos.
Ich teilte dann anschließend „mein“ Foto in meinem „Status“. Das vermeintlich klar als Witz zu erkennende Bild wurde aber von manchen als echt angesehen. Daraufhin habe ich das Foto wieder aus dem Status entfernt.
Im Nachgang habe ich mich in jene hinzuversetzen versucht, die gezweifelt haben, ob das Bild echt ist oder nicht:
Diese werden sich gesagt haben:
Da sind zwei Stimmen in mir:
Die Zustimmende: Das ist ja eine tolle Sache, das zu erleben oder die Zweifelnde: Werde ich da gerade auf den Arm genommen?
Zwei Blickrichtungen – zwei konträre Gedanken!
Zwei Möglichkeiten – Zwei: fel!
Mir kommt das Evangelium in den Sinn, welches in den katholischen Kirchen an diesem Sonntag vorgelesen wird.
Eine Kurzzusammenfassung: Jesus geht während eines Seesturms auf dem Wasser und er kommt zu den staunenden Jüngern im Boot. Petrus versucht, ihm daraufhin entgegenzugehen, doch er beginnt wegen seiner Zweifel unterzugehen. Jesus nennt Petrus einen Kleingläubigen, rettet ihn aber und der Wind legt sich. Im Boot angekommen verehren die Jünger Jesus als den wahren Sohn Gottes.
Wenn ich diese Geschichte betrachte, kommt mir der zweifache Blickwinkel von Petrus in den Sinn:
Der eine Blick sieht einen gewaltigen Sturm, der alles durchschüttelt und der die Wellen hochpeitscht!
Der andere sieht Jesus und wie er ruhig und sicher über das Wasser geht.
Der eine sagt: „Das kann doch alles nicht wahr sein und das wird nichts mit meinem Gang des Glaubens.“
Der andere Blick legt nahe: „Vertrau.“
Und mitten in diese zwei Blickwinkel hinein schlage ich den Bogen zurück zum ZDF.
Dort wird mit dem Spruch geworben:
„Mit dem Zweiten sieht man besser.“
Eigentlich ist das nur ein Wortspiel!
Und doch steckt darin eine geistliche Wahrheit!
Ich übertrage es auf Petrus bei seinem Gang auf dem See.
Der erste Blick ist mit angstgeweiteten Augen.
Der zweite Blick nimmt eine andere Wirklichkeit wahr.
Der erste Blick zählt voller Angst die Wellen.
Der zweite Blick wagt die Hoffnung.
Der erste Blick sieht die Füße untergehen.
Der zweite Blick entdeckt die rettende Hand.
Der erste Blick und der zweite Blick:
Übertragen auf uns: Glaube heißt nicht, dass es da kein Zweifel gäbe und Zweifel heißt nicht, dass kein Glaube da ist.
Zweifel heißt lediglich: Zwei Stimmen ringen in mir.
Glaube heißt nicht, dass eine der beiden Stimmen verstummt, sondern dass ich mich entscheide, welcher ich vertraue.
Vielleicht genügt es heute, noch einmal hinzusehen.
Mit dem zweiten Blick. Mit dem Zweiten sieht man besser!
Pfarrer Bruno Comes Pastoraler Raum Bernkastel-Kues
