Fußball, der Sport der Mönche
Fußball, der Sport der Mönche
Die Fußballweltmeisterschaft endet am Sonntag, dem 19. Juli 2026.
Spielen Sie Fußball oder lässt Sie dieser Lieblingssport besonders der Europäer gar ganz kalt? Das wäre schade, denn es handelt sich bei diesem Sport um Kulturgut - vielleicht sogar mit christlichen Wurzeln.
Eine Erklärung für die Entstehung dieses Spiels besagt, dass ist irische Mönche waren, die zuerst dem Ball nachjagten. Das würde jedenfalls mit dem Fußballeifer der Iren gut zusammenpassen. Die elf Mitglieder der Mannschaften symbolisieren die elf Jünger, die nach dem Verrat bei Jesus geblieben sind. Der Verräter Judas war nicht mehr dabei. Im Spiel war er aber dennoch, denn - so die makabere Erklärung - es war sein Kopf durch einen Ball dargestellt, den die Elf traten als Strafe für seinen Verrat. Der Fußball wurde so zum Sündenbock.
Falls diese Erklärung mehr als Legende ist, haben die Mönche mit dem Fußball ein therapeutisches Spiel erschaffen, das hilft, mit den Ungerechtigkeiten fertig zu werden. Leider ist das Spiel heute nicht mehr so ungetrübt therapeutisch. Statt seinen Ärger wegzukicken, entsteht am Fußballplatz neuer Ärger. Wenn Mannschaften nicht erfolgreich sind, müssen Schuldige her. Wo das faire Spiel in den Hintergrund tritt, wird der Sieg um jeden Preis zum Fußballgott und jedes Scheitern zur persönlichen Katastrophe.
Anders als bei den Mönchen fehlen in unserer Kultur immer mehr Rituale, die helfen, mit Enttäuschungen umzugehen. Wer symbolisch seiner Enttäuschung Ausdruck verleihen kann, indem er einen Ball tritt, wird auch fähig zu vergeben.
Wer keinen Weg hat, sich so auszudrücken, dem bleiben oft nur Rachegedanken. Daher ist es wichtig, dass man persönliche Methoden entwickelt, mit Wut so umzugehen, dass man frei wird für eine Neuanfang.
Hermann Barth, Altrich, Diplom Pädagoge
und ehemaliger Geschäftsführer des Caritasverbandes
