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Glaube im Alltag

In der Wochenendausgabe des "Trierischen Volksfreundes" finden Sie die Rubrik "Glaube im Alltag". Dort werden die Beiträge von Autorinnen und Autoren aus dem Pastoralen Raum Wittlich oder der näheren Umgebung veröffentlicht. Auf unserer Homepage haben Sie die Möglichkeit, diese Beiträge nachzulesen.

Glaube im Alltag 2022

  • Glaube im Alltag 17. September 2022_Elfriede Klar_Sehnsucht nach dem Anderswo

    S e h ns u c ht n a c h d em A n d er s w o

    so ist ein Gedicht von Mascha Kaléko betitelt, und wir denken an den Sommer, da sich so mancher Wunsch nach Aufbruch und Reisen erfüllte. Ungeachtet der Risiken wurde gebucht, und so mancher saß im Flugchaos auf irgendeinem Flughafen fest. Hauptsache weg, die Alltagssorgen hinter sich lassen, Corona vergessen, die schrecklichen Kriegsbilder ausblenden, das Leben genießen. Tapetenwechsel nennen es die Einen, Unterschiedsreize Andere. Doch der Alltag hat einen schnell wieder. Und neu wächst die Sehnsucht nach dem Anderswo, beginnt die Planung eines nächsten Urlaubs.

    „Niemand kommt von einer Reise zurück, wie er abgereist ist“, las ich auf einem Kalenderblatt, und da ist was dran. Ein anderes Umfeld, interessante Begegnungen, neue Eindrücke, entdeckte Freiräume für uns selbst – das hinterlässt Spuren, bringt uns wieder uns selbst näher, beflügelt, lässt Lebensfreude und neue Kraft erwachsen.

    So kennt auch die Bibel Unterwegsgeschichten, die prägend waren. Abraham folgte dem Ruf Gottes in ein fernes Land und wurde zum Segen für die Menschheit. Auch das Volk Israel hatte sich auf den Weg gemacht, aus der Sklaverei in die Freiheit, war dabei gereift, wurde gefestigt in seiner Identität und in seiner Gottesbeziehung. Wir denken an Jona und Elia, die sich ihrer Verantwortung entziehen wollten, flohen, aber unterwegs wieder zu ihrem Auftrag zurückfanden.

    Ein Leben lang sind wir unterwegs, auf der Suche nach ein bisschen Glück, nach Erfüllung, nach Freiheit, sind letztlich auf der Suche nach dem Mehr im Leben, das diese Welt nicht zu geben vermag. „Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies ist uns in Herz geschrieben“, hat es der flämische Theologe Phil Bosmans formuliert. In Anbetracht all dessen, was im Leben bruch- stückhaft und unerfüllt bleibt, vertieft er noch seine Aussage: „Menschen suchen – unbewusst oder bewusst – den großen Strom, der sie hinträgt ans andere Ufer - in den endgültigen Hafen voller Licht und Liebe, den ich Gott nenne.“

    Elfriede Klar
    Lehrerin im Ruhestand 54518 Esch

  • Glaube im Alltag 10. September 2022_Konstanze Petry_Wie eine Blumenwiese...

    Wie eine Blumenwiese...

    Im Rahmen der Vorbereitung eines Einschulungsgottesdienstes haben 6.Klässler Wünsche
    gesammelt. Diese möchte ich nun auch an dich weitergeben. Jeder erlebt immer wieder
    Neues. Das Leben ist bunt und vielfältig, aber auch immer wieder von Sorgen geprägt.
    Gerade in einer schwierigen Zeit ist es wichtig, den Blick auch auf das Positive und
    Wunderbare zu lenken, denn das schenkt Freude und weckt Hoffnung, wie eine bunte
    Blumenwiese. Da gibt es kleine Gänseblümchen, die uns anlachen. Sie sind ein halbes Jahr
    an unserer Seite. Da gibt es die Margerite, der man zu gerne die Blütenblätter abzupft, um
    „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ zu spielen. Auf der ganzen Welt gleich heißt die
    Erinnerungsblume, das Vergissmeinnicht. Die Narzisse steht für die Auferstehung Jesu und
    das ewige Leben. Sie scheint „tot“, bis sie pünktlich zur Osterzeit den Menschen wieder
    Hoffnung schenkt. Der Löwenzahn ist eine Allerweltpflanze. Aber ist voller Ausdauer und
    kann sogar im engsten Asphaltspalt noch zum Blühen kommen. Die Sonnenblume strahlt
    sonnengelb und die Kerne in der Mitte geben sich gegenseitig Halt. Und es gibt noch die
    Rose, die Königin der Blumen, das Symbol der Liebe. Mit Blick auf diese Blumenvielfalt
    wünsche ich dir ein Lächeln wie die Gänseblümchen sowie das Gefühl wertvoll und geliebt
    zu sein. Denn Gott wählt nicht aus, wie beim Abzupfen der Margerite. Er liebt dich. Ich
    wünsche dir viele tolle „Vergissmeinnicht“-Erinnerungen und Hoffnung in allen Lebenslagen.
    Ich wünsche dir Ausdauer am Ball zu bleiben, wie der Löwenzahn, wenn du mal nicht so
    motiviert bist. Und ich wünsche dir Menschen, mit denen du dir gegenseitig Halt geben
    kannst und eine Einheit bist und dass jeder Mensch dir freundlich und liebevoll
    gegenübertritt. Wenn wir diese bunte Vielfalt wahrnehmen, egal ob auf der Blumenwiese
    oder unter uns Menschen, schaffen wir es gemeinsam zwischen all den Sorgen den Blick
    wieder auf das Wunderbare zu lenken, was Freude schenkt und Hoffnung weckt.

    Konstanze Petry
    - Oberstudienrätin an der IGS Salmtal -

  • Glaube im Alltag 3. September 2022_Rainer Martini_Hätte ich doch nur mehr Zeit im Büro verbracht....

    Hätte ich doch nur mehr Zeit im Büro verbracht....

    „A busy man“ – ein vielbeschäftigter Mann, so lautete der Text eines amerikanischen Songs, den
    ich öfter während meiner Studienzeit gehört habe. Die Geschichte dieses Liedes ist schnell erzählt:
    Ein berufstätiger Manager hat keine Zeit für sein Kind, das mit ihm spielen will, es hört immer nur
    „I’m a busy man“. Seine Frau wünscht sich mehr Zeit mit ihm, aber sie hört immer nur den gleichen
    Satz, seine Arbeit steht für ihn im Mittelpunkt. Ja, es gibt viele, zu viele Menschen, für die die
    Arbeit im Mittelpunkt stehen muss, weil das oftmals kleine Einkommen – manchmal aus mehreren
    Jobs - (über-)lebenswichtig ist. Da bleibt nicht viel Zeit für andere wichtige Dinge. Doch wie sieht
    es aus, wenn es um die Karriere, um beruflichen Aufstieg, um Ansehen und Titel geht? Wenn
    Ehrgeiz und Eitelkeit alles Andere verdrängt, wenn selbstgesteckte persönliche Ziele rücksichtslos
    werden lassen – gegenüber der eigenen Familie, Mitarbeitern, Kollegen – und gegen sich selbst?
    Dann wirkt das vielbeschäftigt sein wie ein Gift – für das Umfeld und den Betroffenen selbst. Am
    Ende nützt es niemanden – und vielleicht blickt man am Ende des Lebens zurück auf ein vertanes
    Leben. Im Lied dreht sich die Situation. Als an einem Nachmittag der Chef des Managers ihn
    anruft und ihn auffordert, in die Firma zu kommen, schaut er auf sein spielendes Kind und seine
    Frau - und es kommt ihm ein ganz anderer Gedanke : Hab ich jemals einen Grabstein gesehen,
    auf dem stand: Hätte ich doch mehr Zeit im Büro verbracht? Und so sagt er kurzerhand dem Chef:
    „Keine Zeit – I’m a busy man!“ Er hat verstanden und sich entschieden. Stellen wir uns – wenn es
    möglich ist – doch auch einfach die Frage, was für uns im Leben wichtig ist. Und zählt Zeit haben
    für die Menschen, die uns nahestehen, nicht zu den wichtigsten Dingen des Lebens überhaupt?
    Finden wir doch die rechte Balance : Auf der einen Seite die Arbeit – die selbstverständlich ein
    wesentlicher Lebensinhalt bleiben soll – und auf der anderen Seite wir selbst und die, die wir im
    Herzen tragen. So können wir Segen sein für Andere – und auch für uns selbst.

    Rainer Martini
    Fachdienst Caritas der Gemeinde

  • Glaube im Alltag 27. August 2022_J-W. Henrich_Ein kleines bisschen mehr

    DAS KLEINE BISSCHEN MEHR

    Klar, irgendwann würde das Virus seine Gelegenheit finden, sich in mich einzuschleichen. Milder Verlauf?
    Bestimmt, auch wenn es sich für zwei Tage nicht so anfühlt. Am liebsten nur liegen, das Zimmer abgedunkelt, die Augen geschlossen. Keine Bilder mehr. Die empfundene Stille währt nur kurz. Nach und nach füllt sich das Zimmer mit unzähligen Geräuschen und Stimmen. Ich höre kräftige Männerstimmen. Sie klingen von der Baustelle herüber, wo gerade ein Haus errichtet wird. Die Männer rufen sich kurze Anweisungen zu, aber auch Scherze. Ich höre sie lachen. Ihre Arbeit kostet Kraft. Doch ihre Stimmen verraten, dass sie genug davon haben. Sie schöpfen aus dem Vollen. Kraft im Überschuss. Ich bewundere sie. Kaum schaffe ich die Treppe im Haus, können diese Männer mit ihrer Kraft nur so spielen. Sie haben mehr, als sie brauchen. So muss es sein, denke ich. Es ist genau dieses Stückchen "mehr", dieser Überschuss, diese Kraftreserve, die die Mühe der Arbeit in Freude wandelt. Die uns auch an vollen Tagen noch Raum für Scherze und ein bisschen Blödsinn schenkt. Die uns auch in harten Zeiten lachen läßt, aus dem "mehr" heraus. Es ist dieser Überschuss, der unserem Mut wieder aufhilft, uns manches wieder und wieder angehen läßt, uns hoffen und vertrauen läßt. Die Scherze der Männer verstehe ich nicht, doch sie ziehen mich hinein in ihre gute Stimmung. Ist mir dieses Lebensgefühl, das sie gerade versprühen, nicht durch und durch vertraut: Aus einem Überschuss an Lebenskraft an vielen Morgen an mein Tagewerk zu gehen? Nicht kleinlich meine Zeit bemessen zu müssen. Manchmal einfach tun zu dürfen, geben, schenken, so, wie ein Mensch es gerade braucht und zu wissen, Gott legt mir an fast jedem Morgen ein bisschen mehr Kraft bei, als ich streng genommen nötige habe. Dieses "mehr" ist das große Plus unseres Lebens. Daraus entsteht , was uns nicht nur leben, sondern lieben läßt. Plötzlich läuten die Glocken. Es ist Mittag. Für ein paar Minuten tritt vieles andere zurück. Vielleicht auch, um diesem schönen Gedanken in uns ab und zu Raum zu geben: Wir leben von der Kraft, die über uns hinausgeht, diesem Geschenk des "mehr". Sie ist einfach da, fast immer. Ein Wunder, ein Geheimnis, eine der vielen Spuren Gottes.

    J.-W.Henrich, ev. Pfr. Traben-Trarbach und Wolf

  • Glaube im Alltag 20. August 2022_Manfred Walter_Der hl. Rochus

    Der hl. Rochus grüßt zur Säubrennerkirmes

    Ich freue mich, dass dieses Jahr wieder die Säubrennerkirmes stattfinden kann. Zwei Jahre hat Corona
    verhindert, dass Ihr Wittlicher und alle Gäste aus Nah und Fern in der Stadt miteinander feiern konntet.
    Das ist eben nicht selbstververständlich. Wir erfahren unsere Grenzen gerade in den letzten zwei Jahren
    auch durch den Ukraine Krieg, die Klima-veränderungen, Flutkatastrophen und Waldbrände. Zu meiner
    Zeit wütete die Pest als große Herausforderung. Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, zusammen
    zu stehen und einander zu helfen, mit Zuversicht und Weitblick Lösungen zu finden. Und diese
    Zuversicht hat für mich einen tiefen Grund: Jesus Christus, der mein Leben getragen und mir Halt
    gegeben hat. Mit seiner Hilfe konnte ich damals viele Kranke heilen. Als ich selbst sehr krank war, hat ein
    Hund mir jeden Tag frisches Brot gebracht, bis ich wieder gesund wurde. Deshalb werde ich dargestellt
    mit einer Pestbeule am Knie und dem Hund an meiner Seite. So habe ich Hilfe erfahren und konnte auch
    vielen Menschen helfen und Mut machen. Deshalb werde ich bis heute als Nothelfer angerufen und auch
    an der Säubrennerkirmes geehrt. Wenn ich vom Rathaus auf die Stadt und die Menschen schaue, so kann ich vieles erleben. Ich sehe Familien und Singles, Paare, die heiraten, Kinder,die sich gerne auf die
    Säubrenner–Schweinchen setzen, Touristen von überall und Flüchtlinge, die hier ein neues Leben
    beginnen wollen. Ich habe das Hochwasser gesehen, viele Feuerwehrleute und andere, die geholfen
    haben. So nehme ich an den Sorgen und Freuden der Menschen Anteil. Ich wünsche allen, die zur
    Säubrennerkirmes kommen, schöne Tage und frohe Begegnungen und hoffe, dass sie sich
    verantwortungsbewusst verhalten. Jesus hat auch gerne mit Menschen gegessen, getrunken und gefeiert.
    Er ist an den Kirmestagen in unserer Mitte und auch wenn wir am Kirmessonntag den Fest-Gottesdienst
    in St. Markus feiern. So können wir Gott begegnen, der der Grund unserer Zuversicht und Freude ist. Er
    will uns Leben heute und für immer schenken. Ich grüße alle Wittlicher und Gäste und wünsche Euch
    eine frohe Säubrennerkirmes.

    Bleibt gesund und zuversichtlich!

    Euer Schutzpatron, der hl. Rochus 

    Manfred Walter, Pastoralreferent i.R., Wittlich

  • Glaube im Alltag 13. August 2022_Johannes Jaax_Glaube im Alltag

    Glauben im Alltag - das ist nicht nur etwas für religiöse Menschen. Glauben im Alltag, ich wage die These: das tut jeder.

    In unserer hochtechnisierten Welt kommen wir ja ohne ein hohes Maß an Vertrauen und
    Glauben überhaupt nicht aus. Wir steigen in ein Flugzeug und glauben, dass es fliegt und dass
    der Pilot in der Lage ist, das Gerät sicher zu beherrschen.
    Und so ist es mit tausend Dingen in unserem Leben. Ob wir eine Maschine einschalten oder bei
    Grün über die Straße fahren, ob wir eine Nachricht über ein fernes Land hören oder ob
    wir auf dem OP-Tisch liegen und einem komplizierten Eingriff entgegensehen - überall
    können wir gar nicht anders, als anderen Menschen Glauben zu schenken. Und im
    Vertrauen darauf, dass andere es gut mit uns meinen, gehen wir den nächsten Schritt.
    Schlimm wird es dann, wenn der Glaube missbraucht, wenn das Vertrauen, das wir
    geben, enttäuscht wird. Dann zerbricht menschliche Gemeinschaft. Und uns wird schnell
    klar: Es ist nicht egal, was einer glaubt. Und es ist noch weniger egal, wem wir glauben.
    Wenn schon Vertrauen und Glauben in unserem Alltag so wichtig ist, wenn es um die
    alltägliche Beziehung unter uns Menschen und um das Gelingen menschlichen
    Zusammenlebens geht, wie viel mehr dann, wenn da auch noch eine religiöse Ebene ins
    Spiel kommt, die Beziehung zu einem Wesen, das wir Gott nennen.
    Da ist es sicherlich nicht egal, was einer glaubt, und noch weniger, wem einer
    glaubt. Auch in einem solchen Glauben kann ein Mensch zerbrechen, kann
    enttäuscht, sein Glaube missbraucht werden. Und auch ein solcher Glaube kann alle
    Situationen des Lebens, alle Gegebenheiten des Alltags durchdringen und beeinflussen,
    wenn der Mensch es will. Glauben im Alltag, - das ist auch etwas für religiöse
    Menschen. Und ich wage die These: Das kann jeder. Ob es sich lohnt, zu
    glauben? Wenn ich davon ausgehe, dass Glaube im Alltag allgegenwärtig ist,
    dann ganz sicherlich „Ja“.

    Pfr. Johannes Jaax

  • Glaube im Alltag 6. August 2022_Christiane Friedrich_Andenken

    Andenken

    Was bringen Sie aus Ihrem Urlaub mit? Fotos der schönsten Augenblicke? Ein Souvenir? Alles Dinge, die an die schönsten Wochen im Jahr erinnern helfen und so die Erholung
    nachwirken lassen. Psychologen raten zu Andenken, die an das erinnern, was das Leben bereichert und lebenswert macht.
    Eine ökumenische Frauengruppe feiert seit der Pandemie jede Woche Gottesdienst: draußen, in einer Kapelle, zuhause. Nach jedem Treffen füllt ein Gedanke, Foto, Andenken ihr
    Tagebuch. Inzwischen erzählt ihr Tagebuch, wie sie miteinander durch die schwere Zeit geführt wurden und sie stellen fest: „Da ist uns Gott begegnet, diese gute religiöse Erfahrung
    begleitet und trägt uns im weiteren Leben.“
    Ein Blick in die Bibel bestätigt diese Feststellung: Im 2. Buch der Bibel, im Buch Exodus, wird von einer kleinen Gruppe Israeliten erzählt, die durch die Wüste wandert, nachdem sie
    der Sklavenarbeit in Ägypten entkommen ist. Sie sind hungrig, verzweifelt und beginnen, sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zu sehnen. Ihre Verzweiflung wird erhört, sie finden etwas
    zu essen, das sie „Manna“, „Was ist das?“ nennen und sie täglich satt macht. Als Andenken an ihre erneute Errettung sammeln sie einen Eimer voll Manna als Zeichen für die künftigen
    Generationen. Zwar gibt es den Eimer mit dem Manna nicht mehr, aber die Erinnerung an die rettende Tat Gottes hat sich über 3000 Jahre erhalten, weil Menschen sie von Generation zu
    Generation weitererzählt haben.
    Diese Erzählung ist bis heute eine Anregung, eigene gute Erfahrungen im Leben zu sammeln. Ich kann Erinnerungen schaffen, die tragfähig sind für Zeiten, in denen die Zukunft nicht
    mehr so rosig aussieht. Wenn Sie Ihre Urlaubserinnerungen sammeln, ist dies vielleicht auch eine Gelegenheit, Rückschau zu halten. Vielleicht erinnern Sie Begegnungen mit Menschen in
    lebenswichtigen Situationen, lebenswerte Erfahrungen, die Ihnen Gott ein Stückchen näher gebracht haben? Vielleicht hilft Ihnen ein Andenken, diese Erfahrung auch im Alltag wach zu
    halten?

    Christiane Friedrich, Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Pastoralen Raum Wittlich

  • Glaube im Alltag 30. Juli 2022_Marco Brixius_Engel lauern überall

    Engel lauern überall

    Heute bin ich mal wieder mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Auf dem Hinweg dachte ich mir, im
    Vorderrad ist wenig Luft drin. Nach einem arbeitsreichen Vormittag gönnte ich mir einen freien
    Nachmittag – aber vorher noch auf die Tankstelle, das Vorderrad aufpumpen. Von weitem sah ich
    schon eine Dame, die komisch um ihr Fahrrad ging. Etwas stimmte nicht. Langsam kam ich näher und
    sah, dass die Kette abgesprungen und das hintere Rad platt war. Aufgeregt sprach sie mich an, ob ich
    ihr helfen könne. Für mich war das kein Thema und in wenigen Minuten war alles wieder in Ordnung
    und mein Vorderrad auch aufgepumpt. „Sie hat der Engel geschickt“, bekam ich vor der Weiterfahrt
    noch zugerufen. Auf dem weiteren Heimweg musste ich öfter an diese Worte der Dame denken.
    Wieso sollen Engel mich geschickt haben? Ich war doch gerade zufällig da und habe nur geholfen.
    Aber klar kenne ich auch das Sprichwort mit dem Engel.
    Auf meiner Weiterfahrt entdeckte ich mitten auf dem Fahrradweg von Platten nach Maring-Noviand
    eine Kinderbrille. Auch hier hielt ich an und legte die Brille auf einen dicken Stein, der direkt am Weg
    lag. Hoffentlich findet die Mutter die Brille hier wieder. Ich fragte mich, ob auch hier der Engel seine
    Finger mit im Spiel hatte. Morgen bin ich wieder auf der gleichen Strecke unterwegs und dann würde
    ich mich freuen, wenn die Brille hoffentlich gefunden und wieder heil bei dem Kind gelandet ist.
    Zu Hause angekommen dachte ich mir, Du fängst schon einmal an zu kochen. Wenn die Kinder nach
    Hause kommen, wird der Hunger wohl groß sein. Ich setzte einen großen Topf Nudel auf und machte
    eine schöne Pasta. „Oh Papa“, ruft meine Tochter an der Tür, „Dich hat der Engel geschickt, ich habe
    so ein Hunger!“ Da war er schon wieder. Der Engel! So langsam wurde es mir unheimlich, wie oft
    einem dieser Engel so am Tag begegnen kann.
    Abends ging ich dann noch eine Runde Schwimmen, als ich ganz unten im Becken etwas Schwarzes
    schimmern sah. Es war der Schlüssel Nr. 63 eines Schließfaches im Foyer des Bades. Was sollte wohl
    in dem Fach 63 drin sein? Ist auch egal und geht mich nichts an - schnell war der Schlüssel aus dem
    Becken geholt und beim Bademeister abgegeben. Nach einer allgemeinen Durchsage im Bad konnte
    der verlorene Schlüssel an den sichtlich erleichternden Gast zurückgegeben werden. Ich wusste gar
    nicht, dass Engel auch tauchen können.
    Abends bei einen Glas Wein musste ich dies alles einmal auf Papier bringen.
    Beim Schreiben dieser Zeilen kam ich zur der Erkenntnis: “Heute war Dein Glückstag!“

    Marco Brixius, Leitungsteam im Pastoralen Raum Wittlich

  • Glaube im Alltag 23. Juli 2022_Monika Bauer-Stutz_Der Gott, der mich sieht

    Der Gott, der mich sieht

    In der Firmvorbereitung gab es einen Stationenweg, bei dem die Jugendlichen verschiedene Aspekte ihres Lebens betrachten konnten. In den anschließenden Gesprächen zeigten sich viele besonders beeindruckt davon, dass Gott jede und jeden einzelnen Menschen sieht und annimmt. Jede und jeder von uns kennt den Wunsch gesehen und wahrgenommen zu werden, nicht vergessen zu sein. Besonders drängend mag dieser Wunsch in unsicheren Lebensphasen oder in Zeiten der Neuorientierung sein.
    Eine biblische Geschichte erzählt von einer ägyptische Sklavin, die für Abraham und dessen Frau Sara arbeitet. Da Sara kinderlos bleibt bittet sie Abraham, stellvertretend für sie mit ihrer Sklavin Hagar ein Kind zu zeugen. Als Hagar schwanger wird, kommt es zwischen den Frauen zu Konflikten. Hagar flieht in die Wüste. Dort begegnet ihr Gott, der ihr und ihrem zukünftigen Sohn viele Nachkommen und eine gute
    Zukunft verheißt. Allerdings fordert er sie auf: »Geh zurück! Auch wenn ich jetzt noch nichts an deiner Situation ändere, so habe ich dich trotzdem wahrgenommen, und ich überlasse dich nicht einfach deinem
    Schicksal.« Hagar gibt Gott den Namen »Der, der mich sieht«. Sie hat mit Gott jemanden gefunden, der sie sieht, der ihren Schmerz, ihre Verzweiflung wahrnimmt. Das tut ihr gut und stärkt sie, gibt ihr neuen Mut und neue Kraft. Hagar kehrt zurück und bringt ihren Sohn Ismael zur Welt. Als Sara unverhofft selbst einen Sohn gebiert, werden Hagar und Ismael ein zweites Male vertrieben. Wieder geht es um Leben und Tod. Doch Gott hilft Hagar und Ismael, er beschützt sie und zeigt ihnen neue Wege für ihr Leben. Die Geschichte Hagars kann uns Mut machen und unser Vertrauen auf Gott stärken. Sie kann uns auch fragen lassen: Wen übersehe ich? Wer bräuchte eine Geste des Wahrgenommen Werdens? Wen kann ich ermutigen, und wem erzählen von unserem Gott, der uns sieht?

    Monika Bauer-Stutz,
    Pfarreiengemeinschaft Bernkastel-Kues

  • Glaube im Alltag 16. Juli 2022_Rainer Marmann_Trotz - dem

    Trotz – dem

    Sind Sie auch gerne unterwegs, alleine oder mit anderen? Mögen Sie sich mal treiben lassen, ohne Ziel, ja antreiben lassen von…? Da soll es einen Geist geben, der ungefragt, ungebeten in Ihr Leben tritt. Manchmal in Augenblicken, in denen ein Schimmer von - es geht nicht weiter in meinem Leben – aufscheint. Dann kann es sein, dass ER Sie in eine neue Richtung treibt, in vielleicht Unbekanntes. Er lenkt Sie in Neues, zu Neuem. Es ist eine Ablenkung von Altem zu einem neuen Ziel. Unterwegs können Sie neue Begegnungen haben, Austausch, Neues sehen. Sie sind immer noch gerne unterwegs trotz zu viel Neuem? Vertrauen Sie darauf, dass alles einen Sinn haben wird und dass Sie in der richtigen Richtung sind und am Ziel, wie immer dieses sein wird, ankommen. Sie sind unterwegs ins Leben. Trotz – dem, wagen Sie die Ab – lenkung und lassen Sie sich auf die Geist – Logik ein.

    Rainer Marmann
    evangelischer Christ

  • Glaube im Alltag 9. Juli 2022_Monika Klas_"Hohenschönhausen"

    „Hohenschönhausen“

    – denjenigen von Ihnen, die in der ehemaligen DDR gelebt haben, ist dies vermutlich ein Begriff. Allen anderen sei erklärt, dass das das Stasi-Gefängnis war, in dem menschenverachtende Verhöre durchgeführt wurden, um auf entwürdigende Weise an Informationen und Informanden zu kommen, die das Konstrukt des DDR-Staates gefährdeten.

    Man hat das Gelände und die Gebäude zu einer Gedenkstätte gemacht, durch die die Besucher von Zeitzeugen geführt werden, die dort inhaftiert gewesen sind. Mischa Naue ist ein solcher Zeitzeuge, den ich bei einer Führung mit einer Schulklasse erleben durfte. Ein äußerst beeindruckender Mensch, der im Alter von 19 Jahren nur Demokratie und Freiheit wollte. Zwei Dinge, die für uns eine Selbstverständlichkeit waren und sind, ihm aber vier Monate in Hohenschönhausen, neun Monate in Naumburg und schließlich die Ausreise in die BRD im Rahmen des Häftlingsfreikaufs einbrachten.

    Mein erster Eindruck vermittelte mir das Gefühl, dass ich hier einem Menschen gegenüberstehe, der sein Leben nach seiner Inhaftierung nie wieder richtig in den Griff bekommen hat. Weit gefehlt! Micha Naue blickt heute, mit fast 60 Jahren, auf ein äußerst bewegtes Leben zurück, das noch viel Raum für Neues lässt. Seine Kraft und seine Zuversicht dafür schöpfte er bereits als Jugendlicher aus der Religion des Buddhismus. Schon allein diese religiöse Neigung war in der sozialistischen DDR mehr als gewagt und brachte ihn ins Visier der Stasi. Kombiniert mit vielen weiteren durch den Stasi-Staat verursachten Schwierigkeiten sah er sich dazu veranlasst, zwei Fluchtversuche zu planen und durchzuführen – ohne Erfolg.

    Aus seiner Religion schöpfte er die Kraft, immer wieder aufzustehen, nach vorne zu blicken und seinem Leben Richtung, Sinn und Ziel zu geben. Die zweite Kraft, die dies vermochte, war seine Oma Hedwig; ihr hat er auch sein erstes Buch gewidmet. Beide Kräfte lassen ihn eine beneidenswerte, nahezu vollkommene Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlen.

    Monika Klas

  • Glaube im Alltag 4. Juli 2022_Hermann Barth_Feindesliebe

    Feindesliebe

    Haben Sie Stress mit Nachbarn? Gibt es jemanden, der nur in Ihre Nähe kommen muss, um Ihnen den Tag zu verderben? Mit manchen Menschen stimmt einfach die Chemie nicht. “Ihr sollt eure Feinde lieben und nicht hassen.“ Dieses Wort aus der Bergpredigt scheint das lebensfernste aller Gebote zu sein.Wie kann man sich zur Liebe zwingen, wenn andere es einem schwer machen? Eine interessante Deutung dazu stammt von dem Religionsphilosophen Pinchas Lapide. Er sagt, dass Jesus seine Forderung zur Feindesliebe ernst gemeint hat, sie aber nicht so zu verstehen ist, dass man verhasste Menschen liebevoll ins Herz schließen muss. Das wäre Heuchelei. ,,Piep,piep,piep, wir haben uns alle lieb“ - das macht die christliche Forderung der Feindesliebe lächerlich.

    Lapide untersuchte, welches aramäische Wort Jesus damals gebraucht haben könnte. Sein Ergebnis ist bemerkenswert. Bei dem aramäischen Wort für Feindesliebe geht es nicht um Gefühle, sondern um Taten. Es geht darum, Brücken zu bauen, damit eine Verständigung wieder gelingen kann. Es geht nicht darum, den Nachbarn oder den Kollegen zu lieben, aber sehr wohl darum, sie als Menschen zu sehen und zu würdigen. Das ist keine leichte Forderung, aber eine machbare. Nimmt man sie ernst, wird es kein Friede-Freude-Eierkuchen geben, aber doch wenigstens einen würdigen Umgang mit anderen Menschen.

    Hermann Barth, Altrich

    Diplom Pädagoge und ehemaliger Geschäftsführer des Caritasverbandes

  • Glaube im Alltag 25. Juni 2022_Peter Zillgen_Ich sehe was, was du nicht siehst!

    „Ich sehe was, was du nicht siehst!“

    Wer hat das nicht schon als Kind gespielt!?

    Ich finde, das ist ein wertvolles Spiel, das nicht nur auf langen Autofahrten den Kindern die Langeweile vertreiben kann, sondern das sich auch für Erwachsene hervorragend eignet und von ihnen neu entdeckt werden sollte, weil es die Achtsamkeit trainiert und weil es mich dazu animiert, mit den Augen des anderen sehen zu lernen.

    Und oft werde ich merken: Die Perspektive des anderen, die Art und Weise, wie er die Welt sieht, bereichert auch mein Leben! Weil der andere anders sieht als ich, weil dem anderen andere Dinge auffallen und wichtig sind, die mir vielleicht entgangen sind, und weil wir gemeinsam mehr und besser und schöner sehen!

    In Freundschaften, in Ehe und Familie geht es doch genau darum: die Welt und mich selbst neu sehen zu lernen. Und was ist das Wichtigste, das der Freund, der Partner, die Kinder durch mich sehen lernen können? Dass sie liebenswert sind. Liebe will immer: sichtbar, spürbar, konkret werden. Darum ist es meine Aufgabe: dem anderen die Liebe, die ich zu ihm habe und die ja an sich unsichtbar ist, sichtbar zu machen.

    Jedes Jahr im Juni stellen wir Christen in besonderer Weise einen Gott in die Mitte, der dasselbe will: Seine Liebe zu uns sichtbar werden lassen. Denn der Juni ist traditionell der „Monat des Herzens Jesu“, dessen Hochfest wir gestern feiern durften und das uns erinnert: Wir glauben an einen Gott, der mich im Herzen trägt, der nichts als Liebe für mich übrighat.

    „Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Ich glaube, das ist unser Auftrag als Kirche: Die Welt zu diesem Spiel einzuladen und ihr diesen unsichtbaren Gott, den wir im Herzen spüren und „sehen“, immer wieder vor Augen zu führen. Jeder Mensch, jede Begegnung, die mich heute erwartet, ist eine Gelegenheit dazu: Gottes unsichtbare Liebe zu jedem und jeder von uns sichtbar, spürbar und konkret werden zu lassen.

    Jugendpfarrer Peter Zillgen, Wittlich

  • Glaube im Alltag 11. Juni 2022_Johannes Jaax_Fronleichnam

    Die Katholiken feiern Fronleichnam,

    machen festliche Prozessionen mit Fahnen, Musik, und viel traditionelles, fast volkstümliches Brauchtum. Und in der Mitte der Priester mit der Monstranz unter einem tragbaren Himmel. Warum? Ein Erklärungsversuch:

    Ein englischer Journalist kaufte sich ein Dreipfundbrot und stellte sich damit an belebte Straßenecken verschiedener Städte. Die Vorübergehenden forderte er auf, für dieses Brot eine Stunde zu arbeiten. Seine Ergebnisse: In Hamburg wurde er ausgelacht. In New York von der Polizei festgenommen. Im afrikanischen Nigeria waren mehrere Personen bereit, für dieses Brot drei Stunden zu arbeiten. Im indischen New Dehli hatten sich rasch mehrere hundert Personen angesammelt, die alle für dieses Brot einen ganzen Tag arbeiten wollten.

    Wenn schon einfaches Brot solch verschiedene Reaktionen auslösen kann, wie ist es dann, wenn die Katholiken am Fest Fronleichnam das Kostbarste, das sie haben, durch die Straßen tragen, – ein kleines Stückchen Brot in einem kostbaren Zeigegefäß, der Monstranz. Denn sie glauben an die geheimnisvolle Gegenwart Jesu Christi in diesem Brot. Es ist für sie das Brot des Lebens.

    Das Tragen dieses Brotes durch die Straßen soll keine Provokation sein, sondern einfach Ausdruck unseres Glaubens.

    Dieses Brot weist darauf hin, dass Essen und Trinken allein nicht genügen, um unseren Lebenshunger zu stillen. Es steht für Hingabe, verkörpert das Für einander da sein, eigentlich all das, wofür sich dieser Jesus eingesetzt hat, um Menschen Leben zu ermöglichen, zusammengefasst in dem einen Wort: Liebe. Das Brot in der Monstranz weist darum auf, was wir Christen auf dem Weltmarkt der Weltanschauungen und Religionen anzubieten haben, die Orientierung am Leben Jesu.

    Wir schauen auf ihn, auf das Beispiel seines Lebens. Er ist zum Weizenkorn geworden, das stirbt und neues Leben bringt. Brot für Leben, Leben für Brot.

    Darum zeigen wir dieses Brot den Menschen, es ist unsere Gabe und es ist unsere Aufgabe.

    Johannes Jaax, Pfarrer PG Salmtal

     

  • Glaube im Alltag 28. Mai 2022_Uschi Fusenig_Wer sucht, der findet - den Frieden!

    Wer sucht, der findet - den Frieden!

    Christentum, Judentum und Islam haben in ihren Lehren Gemeinsamkeiten, diese zeigen sich unter anderem in den verwendeten Begriffen wie Freundschaft und Verständnis, Verzeihen und Frieden.

    Die Tora, als das Heilige Buch des Judentums und das Alte Testament des Christentums, erzählt von Gott, der Frieden zwischen den Völkern schafft: "Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen".

    Im Neuen Testament der Bibel heißt es dann in der Bergpredigt: "Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne (und Töchter) Gottes genannt werden."

    Auch im Koran, dem heiligen Buch des Islam, ist häufig vom Friedenstiften zu lesen: "Wenn ihr verzeiht, so folgt ihr damit dem Beispiel Gottes. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben."

    In Anbetracht dieser friedvollen Gedanken taucht für mich nun unweigerlich die Frage danach auf, warum es überhaupt immer wieder unter uns Menschen zu Streitigkeiten kommt, die im schlimmsten Fall in einem Krieg ihre einzige Lösung sehen .Wir wissen doch aus der Vergangenheit, dass wir anderen unsere eigenen Überzeugungen nicht mit Gewalt aufdrängen können und Menschen nicht freiwillig ohne Widerstand ihren Besitz abgeben, den sie sich erworben oder erarbeitet haben.

    Ein friedvolles Zusammenleben erfordert doch immer wieder die Bereitschaft zu einer respektvollen und von gegenseitigem Verständnis geprägten Kommunikation. Alle sollten auch mehrmals die Chance haben einen Konflikt zu beenden. zwar häufig mit Kompromissen, aber letztlich zur Zufriedenheit. Und auf dem Weg dorthin sind Einsicht in begangene Ungerechtigkeiten und Entschuldigungen dafür durchaus sinnvoll und hilfreich.

    Einander zuzuhören ist dann bereits ein kleines Friedenszeichen und mit der Überwindung sich zu entschuldigen kann es weitergehen, bis hin zu eindeutigen Worten wie: "Lasst es uns doch mit einem friedvollen Umgang versuchen!"

    Bei diesem Friedensweg können wir gewisslich auf Gottes Hilfe vertrauen, denn Gott will Frieden: Gott hilft den Schwachen gegen die Starken, Gott hilft den Armen gegen die Reichen, Gott hilft den Unterdrückten gegen die Tyrannen, dies geschieht in unserer Gegenwart und Zukunft, bis in alle Ewigkeit.

    Uschi Fusenig, Prädikantin Evangelische Kirchengemeinde Bernkastel-Kues

  • Glaube im Alltag 21. Mai 2022_Matthias Veit_Von Maulwurfshügeln lernen

    Von Maulwurfshügeln lernen

    Gerne bin ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs, gerade jetzt im Frühling. Und dies mit offenen Ohren und offenen Augen! Dennoch ist es mir bisher erst ein einziges Mal vergönnt gewesen einen Maulwurf bei seiner Arbeit zu erleben! Die kleinen Hügel, die er in den Wiesen und Äckern, oft zum Leidwesen der Landwirte hinterlässt, kennen wir zwar im wahrsten Sinne des Wortes „zuhauf“. Aber so einem Maulwurfshügel bei seiner Entstehung zuzusehen, das ist selten. Ich stand gebannt da, und schaute hin, wie die Erde sich langsam hob und die braunen Krumen nach oben auseinanderfielen. Ein kleines Tier lässt die Muskeln spielen, verschafft sich Lebensraum.

    Sich Luft zu verschaffen, sich nicht erdrücken zu lassen von Anforderungen, die das Leben uns abverlangt, die wir uns selbst und andere uns zumuten, das bleibt auch unsere Aufgabe. Das Osterfest, das nun schon fünf Wochen zurückliegt, an dem Gott uns in der Auferweckung seines Sohnes neue Lebenskraft geschenkt hat, wirkt fort. Der Glaube daran hilft mir, wenn es darauf ankommt, mich meiner Haut zu wehren. Er hilft mir, die nötige innere Freiheit zu behalten oder auch wieder zu gewinnen, wenn einem die sprichwörtliche Decke auf den Kopf zu fallen droht.

    Schon die Apostelgeschichte, ein Buch im Neuen Testament, das im Anschluss an die Evangelien das Leben der jungen Christengemeinden in den Blick nimmt, berichtet von Befreiungserfahrungen. Apostel, die wegen der Verkündigung ihres Glaubens von Amts wegen in Gewahrsam genommen worden waren, erleben, wie sich gleichsam über Nacht für sie die Gefängnistore öffnen. (Apg. 5, 17-21a). Warum sollten Engel des Herrn nicht auch heute befreiend und ermutigend unterwegs sein? Ich glaube der Macht des Auferstandenen, die sich in verschiedenen Vollzügen Bahn brechen kann.

    Dass das Leben immer wieder in Gang kommt, nicht nur unter Tage in Maulwurfsgängen, auch über der Erde, das wünsche ich uns. Solches Geschehen muss kein Seltenheitswert behalten.

    Matthias Veit, Dekan Pastoraler Raum Wittlich

  • Glaube im Alltag 14. Mai 2022_Thomas Pesch_Gott ist mehr

    Gott ist mehr

    Nach einer langen verbandsinternen Diskussion hat sich die Bundeskonferenz des katholischen Jugendverbandes KjG entschieden, zukünftig Gott+ (Gott plus) zu schreiben. An dieser Nachricht bin ich sofort hängen geblieben. Die KjG will damit zeigen, dass Gott mehr ist. Viel mehr. Er ist multidimensional. Das „plus“ soll Platz machen für ganz vielfältige Gottesbilder. Das „plus“ soll dabei bewusst mehr sein, als ein Gendersternchen. Was ist Gott eigentlich für mich? Wie ist eigentlich meine Vorstellung von Gott, wie hat sie sich im Laufe meines Lebens verändert? Als Kind habe ich mir Gott als weißbärtigen alten Mann vorgestellt. Gemütlich sitzt er auf einer flauschigen Wolke. Er kann alles sehen und greift vielleicht auch mal aktiv ein. In meiner Jugend war Gott nicht immer so präsent für mich. Ich glaube, das war ganz normal so. Später dann hat sich mein Bild von Gott erneut verändert. Ich stelle mir Gott nicht mehr als konkrete Person vor. Eher als eine Macht, die in Allen und in Allem präsent ist. Mal mehr und mal weniger. Wenn ich so auf die Nachrichtenlage schaue, dann zweifele ich auch manches Mal daran, dass Gott alles sieht. Und nach Spuren seines direkten Eingreifens suche ich sehr oft vergeblich. Ab und an macht es mich auch wütend, dass er auch öfter mal bewusst wegzuschauen scheint. Trotzdem fühle ich mich in Gott geborgen. Das Bewusstsein, dass Gott da ist, gibt mir Ruhe und Sicherheit. Ich muss nicht alles selbst in der Hand haben und alle Geschicke selbst aktiv lenken. Ich kann auf ihn vertrauen. Und Gott muss ja auch nicht alles alleine regeln. Er hat Unterstützung. Von Menschen, die mir begegnen und mir guttun. Von Menschen, die im Vertrauen auf seine Existenz Gutes tun. Menschen, die sich um ihre Mitmenschen sorgen und ganz konkret helfen. Gott hat viele Formen und Gestalten. Mal ist er ganz nah und mal weiter weg. Mal mit und mal ohne „plus“. Wer ist Gott für Sie? Überlegen Sie gerne einmal…

    Thomas Pesch

  • Glaube im Alltag 7. Mai 2022_Bruno Comes_Alles auf einmal!

    Alles auf einmal!

    Eine Alltagserfahrung: Manchmal ist alles auf einmal! So erscheint mir in diesem Jahr der 7. und 8. Mai! Einige sehr unterschiedliche Themen stehen da an diesem Wochenende nebeneinander. Ich möchte diese miteinander verbinden, indem ich sie vertrauensvoll ins fürbittende Gebet vor Gott nehme. Ich beginne mit dem 8. Mai als Gedenktag des Endes des 2. Weltkrieges vor 77 Jahren. Angesichts eines gerade tobenden, unsäglich schlimmen Krieges in Europa will ich zu Gott beten um Erfolge in den Bemühungen der Diplomatie, um Besonnenheit, um Weitsicht, um ein Ende der Eskalation und um ein Niederlegen der Waffen!

    Am 7. Mai geht die ökumenische „Woche für das Leben“ zu Ende. Das diesjährige Leitwort heißt: „Mittendrin. Leben mit Demenz.“ Angesichts dieser schweren Krankheit möchte ich Gott für alle dementiell erkrankten Menschen bitten; auch für alle, die sich im Umfeld hilflos fühlen; für alle, die sich der Kranken annehmen; um Verständnis, Güte, Trost und Liebe.

    An diesem vierten Ostersonntag begeht die katholische Kirche den Sonntag des Guten Hirten. Es ist der Sonntag, an dem in besonderer Weise um geistliche Berufungen gebetet wird. So möchte ich Gott bitten für junge Christen, die einen Ruf Gottes in sich vernehmen: Dass sie diesem Ruf nachspüren können und dass sie auf ihrem Lebens- und Glaubensweg gute Begleiterinnen oder Begleiter finden!

    An diesem 8. Mai ist auch Muttertag. So möchte ich zum einen liebevoll an alle verstorbenen Mütter erinnern… Desweiteren möchte ich natürlich gerne für die unter uns lebenden Mütter und Großmütter beten und erweitere die Bitte Gott gegenüber für alle, die in Familien und Gemeinschaften leben: Hilf, dass wir uns gegenseitig in den Familien helfen und stützen und Liebe und Geborgenheit schenken. Sei auch den Alleinstehenden nahe! So wünsche ich einen gesegneten Muttertag, einen guten vierten österlichen Sonntag und vor allem Frieden in aller Welt!

    Bruno Comes, Kooperator-Pfarrer Bernkastel-Kues

  • Glaube im Alltag 23. April 2022_Marco Brixius_Kinder lernen von Eltern – oder anders herum

    Kinder lernen von Eltern – oder anders herum

    „Ich muss nochmal kurz auf Toilette“, oder „muss das sein, kann ich das nicht später erledigen?“

    Wenn meine beiden Kinder versuchen, sich vor der gemeinschaftlichen Arbeit im Haushalt zu drücken, ärgere ich mich öfter darüber, dass sie nicht das machen, was ich erwarte. Vielleicht erwarte ich das alles zu selbstverständlich; vielleicht wäre ein wenig Geduld von meiner Seite eher hilfreicher.

    Trotzdem bestehe ich darauf, wenn Dinge sofort erledigt werden müssen, dann muss dies sofort geschehen. Grundsätzlich wachse ich an den Aufgaben eines Elternteils und muss täglich lernen, dass Kinder ihren eigenen Willen haben. Und sie dürfen ihre eigenen Pfade finden, neue Entdeckungen machen, dürfen eigene Methoden entwickeln, ihre Ziele zu erreichen. Auf den Punkt gebracht: Kinder müssen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln und lernen, mit aufsteigendem Alter Verantwortung für sich zu übernehmen, ganz so, wie es meine Mutter mir mit auf dem Weg gegeben hat. Ich bin mittlerweile 51 und natürlich mit mehr Lebenserfahrung ausgestattet wie Teenager mit 12 und 14, trotzdem müssen sie eigene Erfahrungen machen dürfen. Sie haben jetzt schon das Recht, verantwortungsvolle und eigenständige Personen, ja sogar als Persönlichkeiten, anerkannt zu werden. Nicht immer fällt es mit leicht, wenn die Kinder ihren eigenen Kopf durchsetzen wollen und dies anzuerkennen, Geduld zu üben und mal 5 gerade sein zu lassen. Aber trotzdem habe ich gelegentlich den Spruch im Kopf der sagt „ ich zeige Dir hier, wo es lang geht“. Manchmal passt er!

    Eins steht jedoch fest: Ich vertraue darauf, dass wir unseren Kindern die  Werte vermitteln können, um später im Leben bestehen und irgendwann mal selbst an ihre Kinder weitergeben zu können – auch wenn sie vielleicht jetzt „ Ich mag das doch nicht“ oder „ Ich räume nachher mein Zimmer auf“ sagen.

    Marco Brixius

    Leitung Pastoraler Raum Wittlich

  • Glaube im Alltag 16. April 2022_Rainer Martini_Ein Versuch, einfach wieder Kind zu sein...

    Ein Versuch, einfach wieder Kind zu sein...

    Nein. Ich werde heute nichts schreiben über Corona. Über den Krieg. Und seine Folgen für uns alle. Denn: Es ist Ostern. Nicht, weil Corona und der Krieg dann Pause machen. Ich will eine Auszeit haben. Eine Auszeit von der täglichen Besorgnis und der täglichen Angst. Mich erinnern, empfinden, was Ostern vor 50 Jahren für mich war- als Kind. Als alles unbeschwert war...

    Ostern – das war wärmende Frühlingssonne. Schlüsselblumen und Wiesenschaumkraut. Gelbe Forsythien. Blauer Himmel. Sanfter Wind. Summende Bienen. Freude über das buntbemalte Osterei im hohen Gras. Die Eltern im Sonntagsanzug und -kleid – irgendwie festlicher als sonst. Das Glockenläuten der Dorfkirche. Vollbesetzte Kirchenbänke. Das Evangelium. Auferstehung. Heilige Kommunion – auch irgendwie feierlicher als sonst. Und das Gefühl, Gott ist jetzt ganz nah. Vertrauen.  Es ist alles gut. Es gibt die Eltern und es gibt ihn da oben. Einen himmlischen Vater. Sie werden schon alles richten. Und meine Wege lenken. Und mich beschützen. Heute. Bis ans Ende aller Tage. Und darüber hinaus. ..

    Nun ist wieder Ostern. 50 Jahre später. Was ist geblieben von damals? So Vieles hat sich verändert, ist verloren gegangen. Aber dieses Jahr will ich es versuchen. Versuchen, alles wieder bewusst wahrzunehmen, zu empfinden, was ich als Kind an diesem besonderen Tag empfunden habe. Und darauf vertrauen, dass Gott alles zum Guten lenken wird - in der Kleinheit meines Lebens und im Großen der ganzen Welt. Und dass wir auf eine Auferstehung vertrauen dürfen, wie sie uns versprochen ist  - und auf eine Auferstehung von Frieden in der Welt und einer pandemiefreien Zeit. Der himmlische Vater wird es richten – mit unserer persönlichen Mithilfe – und sei sie noch so klein... ...

    Rainer Martini

    Caritas der Gemeinde

  • Glaube im Alltag 9. April 2022_J.-W. Henrich_Widerstand heute

    Widerstand heute

    In den frühen Morgenstunden des 9. Aprils 1944 wurde Dietrich Bonhoeffer in Flossenbürg, einem KZ in Oberfranken, gehängt. Bonhoeffer war Christ, ev. Pfarrer, Widerstandskämpfer. Im Kreis um Stauffenberg plante er die Ermordung Hitlers. Am 20. Juli `44 scheiterte das Attentat, fast alle Beteiligten wurden später hingerichtet. Widerstandskämpfer, eine Entscheidung, um deren Wider- sprüchlichkeit Bonhoeffer immer wusste. Oft hat er damit gerungen, manchmal an ihr gezweifelt. Immer war ihm bewusst, dass er mit der Tötung eines Menschen gegen Gottes Gebot verstößt und so Schuld auf sich lädt. Wie haderte er damit, dass er seine Familie gefährdete, seine Liebe zu seiner Verlobten, sein eigenes Leben. Bonhoeffer lebte gern, er konnte genießen. Doch all das trat zurück. Für ihn zählte allein die Verantwortung, die er in dieser Zeit für sein Land empfand. Verantwortung, das Tausendfache Morden zu stoppen, diesen sinnlosen Zerstörungskrieg, den Untergang Europas.
    Verantwortung kann man sich selten aussuchen. Bonhoeffer nahm sie an, stellte sich ihr mit allen Konsequenzen. Manchmal frage ich mich, wie sich Bonhoeffer wohl heute verhalten würde. Nein, einer Widerstandsbewegung gegen Putin gehörte er sicher nicht an. Doch seine Verantwortung für die Ukraine, die Menschen dort, machte er sicher nicht an den Grenzen der NATO fest. Ob er darin nicht einen (billigen) Verrat an den Menschen sähe? Er wäre unbequem. Hörte nicht auf zu fragen, wie viel uns Verantwortung wirklich wert sei, wenn wir sie ständig gegen die Sicherheit ausspielten. Ob er Verständnis hätte, die russische Vernichtungsarmee solange weiter zu finanzieren, bis unsere Energieversorgung alternativ gesichert ist? Aus den sicheren USA kehrte er 1938 mit dem letzten Schiff vor Kriegsausbruch nach Deutschland zurück. "Wie soll ich je wieder hier leben, wenn ich jetzt nicht in meinem Land bin?", fragte er sich. "Wie soll Europa wirklich eins werden, tief verbunden, wie sollen unsere Demokratien stabil und tragfähig werden, wenn unsere Entscheidungen in vielem so zögerlich bleiben?" Ob das seine Frage wäre? Sicher aber würde er uns sein starkes Bild (1933!) wieder zumuten: Für Christen ist es zu wenig, "die Opfer unter dem Rad zu verbinden, wir müssen dem Rad in die Speichen fallen."

    J.-W. Henrich, ev. Pfarrer Traben-Trarbach

  • Glaube im Alltag 2. April 2022_Br. Stephan Senge_Vom Brennen

    Vom Brennen  

    Die Flut der Hiobsbotschaften vom Leid der Menschen aus der Ukraine verfolgt und erschüttert uns, alles verursacht vom machtbesessenen Massenmörder Putin. Interessieren uns da Geschichten von Gott, der etwa im brennenden Dornbusch, dessen Zweige nicht verbrennen, mit Mose, redet, der als Hirte seine Tiere über die Steppe treibt.

    Was wird dieser Gott aus dem Dornbusch, dieser vor Liebe brennende Gott nicht dem Mose, aber uns heute im ähnlichen Wortlaut sagen: „Ich habe das Elend meines Volkes in der Ukraine gehört und ihre laute Klage über ihre Antreiber. Geh jetzt gefälligst, ich sende Dich aus, Unheil zu lindern. Kümmere Dich mit anderen  Helfern um die Flüchtlinge vor dem Berliner Hauptbahnhof und auf anderen Bahnhöfen oder in bereitgestellten Räumlichkeiten, schreib hundert Emails an Freunde und Bekannte, die online so viel Überflüssiges zusammenkaufen, sie sollten für die in höchster Not tieftraurig aus dem Krieg Geflohenen Not-wendendes verfügbar machen  zur Versorgung mit Lebensmitteln, medizinischen und anderen praktischen Hilfen oder sich persönlich für sie engagieren. Ich glaube, da ereignet sich Kirche.

    „Ich war obdachlos, und Ihr habt mich aufgenommen!“, wird uns Jesus, wenn wir ihm im Tod konkret begegnen, sagen. Das ist sein Maßstab, mit dem er unsere Liebe misst.

    Ach, wir sind mitbeteiligt am engagierten Tun dieses Gottes, der nicht einer „hoch da droben „oder „weit weg“ ist. Wir dürfen mit ihm, mit ganz viel Liebe für die Menschen brennen.

    Br. Stephan Reimund Senge, Himmerod

  • Glaube im Alltag 26. März 2022_Manfred Walter_Hoffnungszeichen

    Hoffnungszeichen

    Die Folgen der Flutkatastrophe, der weitere Umgang mit der Corona Pandemie und jetzt der Ukraine Krieg und seine Auswirkungen machen vielen Menschen große Sorgen. Wie wird es weitergehen und kann es gute Lösungen geben? Negative Nachrichten können Angst machen, verunsichern und psychisch belasten. Im Gegensatz dazu steht die Botschaft des 4. Fasten-sonntags, des Sonntags Laetare, d.h.Freue Dich! Er lenkt unseren Blick auf Ostern. Wie sollen wir uns aber freuen, wenn es so viele Probleme und Sorgen gibt. Vielleicht hilft es, mal den Blickwinkel zu verändern. Wenn ich morgens die Vögel zwitschern höre und in unserem Vorgarten die blühenden Krokusse und Narzissen entdecke, dann kann ich mich daran erfreuen. In den Nachrichten wurde und wird immer wieder von vielfältigen Hilfsaktionen berichtet. Bei Kundgebungen und Friedensgebeten setzen viele Menschen ein Zeichen der Anteilnahme und Solidarität. Sie wollen sich nicht mit den großen Problemen abfinden und resignieren. Nein, sie suchen nach Möglichkeiten, diesen Positives entgegen zu setzen. So hoffte im Evangelium der gute Vater mit langem Atem auf die Rückkehr seines Sohnes und lief ihm entgegen, als er ihn kommen sah. Der verlorene Sohn kam nach seinem lotterhaften Leben zurück und hoffte wenigstens als Knecht bei seinem Vater arbeiten zu können. Die positive Überraschung ist für ihn, dass sein Vater aus Freude ein Fest für ihn veranstaltet. So groß ist die Liebe des Vaters, mit dem Jesus Gott meint. Ihm können wir vertrauen. Vielleicht haben wir auch schon solche positiven Überraschungen erlebt oder für andere geplant. Das könnte ein unerwarteter Brief oder Besuch sein, ein Angebot zu helfen, eine Einladung oder Entschuldigung, ein Geschenk, alles Hoffnungszeichen. „Freue Dich“, so heißt es am heutigen Sonntag im Zugehen auf das Osterfest. Wir haben allen Grund dazu, weil Gott uns in Jesus gerade in diesen schweren Zeiten nahe ist. Er will uns von allem Bösen erlösen. So groß ist seine Liebe. Durch Jesus will er uns Hoffnung auf neues Leben und Frieden geben.

    Manfred Walter, Pastoralreferent in Rente, Wittlich

  • Glaube im Alltag 19. März 2022_Konstanze Petry_Vielleicht nicht morgen…

    Vielleicht nicht morgen…

    Im Sonntagsevangelium berichtet Jesus in einem Gleichnis von einem Feigenbaum, der keine Frucht bringt, auch nach einigen Jahren nicht. Der Baum scheint ein hoffnungsloser Fall zu sein, eine Enttäuschung für jeden Gärtner. Da hilft sicherlich nur noch Abholzen.
    Aber der Gärtner, der eigentlich so enttäuscht sein müsste von der Situation, setzt sich für den Feigenbaum ein und möchte eine „Gnadenfrist“ für ihn. Er hat noch das Vertrauen, dass der Baum vielleicht doch noch Frucht tragen wird bis zum nächsten Jahr. Der Gärtner sorgt sich um den Baum, wie um einen Freund, stellt sich schützend vor ihn und traut ihm etwas zu.
    Auch wir Menschen sind oft wie der Feigenbaum. Wir verhalten uns nicht so, wie man es von uns als gute Menschen erwarten könnte, auch wir und unser Verhalten tragen nicht immer wirklich Frucht. Aber auch da ist jemand, der Hoffnung in uns setzt, der uns nicht direkt aufgibt und der sich schützend vor uns stellt und uns etwas zutraut: Gott.
    Weshalb also verzweifeln, aufgeben, wenn es doch jemanden gibt, der an uns glaubt? Wenn es jemanden gibt, der uns zutraut, dass sich unser Verhalten ändert, bessert und demnächst doch noch Frucht trägt. Jetzt liegt es an uns, mitzuhelfen und selbst aktiv zu werden, denn das Wohlwollen, die Unterstützung und der Rückhalt durch Gott ist uns gewiss. Wie schön es sein wird umzukehren und selbst zu realisieren, dass unser eigenes Verhalten Früchte tragen kann.
    Und weshalb sollte wir uns nicht auch selbst mal den Gärtner als Vorbild nehmen und den Menschen Zeit geben, die uns enttäuscht haben? Vielleicht sollten wir uns dennoch auch um sie bemühen und sie nicht aufgeben, ihnen genauso eine "Gnadenfrist" geben, damit wieder Früchte wachsen können, vielleicht nicht morgen, aber sicher bald.

    Konstanze Petry

    - Oberstudienrätin an der IGS Salmtal -

  • Glaube im Alltag 12. März 2022_Katy Schug_Unsere Sendung

    Unsere Sendung

    Das Evangelium vom heutigen Wochenende fordert mich mal wieder heraus. Jesus steigt mit seinen Jüngern auf einen Berg. Dort erfahren sie, dass ihr Freund eine ganz besondere Sendung hat. Und dort, wo es ihnen gut geht, wollen sie bleiben, wollen sie sesshaft werden. Und dann durchkreuzt Jesus ihre Pläne. Erfassen sie aber die Sendung ihres Freundes, erfassen wir die Sendung unserer Gemeinschaft, unserer Kirchen? Sehr viel wird heute an den Kirchen kritisiert, und das zurecht. Mir steht es nicht zu, zu urteilen oder gar zu verurteilen, aber im Moment wird es immer schwerer, sich zu dieser Kirche zu bekennen.

    Als man Mutter Teresa einmal fragte, was muss sich an der Kirche ändern, antwortete sie „Sie und ich müssen uns ändern“. Kirche sind wir Alle, denn Kirche ist die lebendige Gemeinschaft der Christen. Sie lebt von dem Tun jedes Einzelnen; sie lebt von dieser Sendung auf dem Berg Tabor. Ein starker Auftrag. In der Gemeinschaft mit diesem Jesus zu leben, heißt somit, sich nicht zurück zu ziehen in eine Wohlfühlnische, sondern sich den Anforderungen des Alltages und Sorgen und Nöten der Mitmenschen zu stellen. Oft kein leichter Auftrag, keine leichte Sendung.

    Der brasilianische Bischof Dom Helder Camara sagte einmal: „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit“. Nach wie vor will ich an die Sendung des Gottessohnes glauben; nach wie vor will ich daran glauben, dass wir an einer Zukunft der Mitmenschlichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens mit bauen können, weil dieser Sohn Gottes, weil dieser gute Gott, an unserer Seite ist. Lassen wir uns nicht überrollen von all den Skandalen in dieser Kirche und Welt, sondern schenken wir ihm, diesem guten Gott unser Vertrauen; bauen wir darauf, dass er die Gemeinschaft seiner Menschenkinder weiterhin führt und begleitet. Träumen wir alle den Traum einer neuen, einer guten, einer gerechten und friedvollen Gemeinschaft aller Menschen, dann erfüllt sich die Sendung vom Berg Tabor.

    Katy Schug, Ehemalige Caritasdirektorin Mosel-Eifel-Hunsrück e.V.

  • Glaube im Alltag 5. März 2022_Johannes Jaax_Frieden?

    Frieden?

    Da ist Krieg in der Ukraine und ich fühle meine ganze Ohnmacht. Fassungslosigkeit, Angst und auch viel Zorn auf die, die das verbrochen haben, sind in meinem Herzen. Was tun? Ich zünde ein Friedenslicht an und lade die Mitfeiernden im Gottesdienst ein, es mir nachzutun. Und langsam wächst ein Lichtermeer in unserer Kirche und wir beten gemeinsam für den Frieden. Und ich denke: so wie das kleine Licht einer Kerze die Dunkelheit um sie herum vertreibt, so möge auch mein kleines Gebet meine Ohnmacht, vor allem aber meine Angst, meinen Zorn, meine Wut mir aus dem Herzen nehmen. Ich erinnere mich an die Worte Jesu bei seiner Gefangennahme, als die Jünger ihn mit dem Schwert verteidigen wollten: „Steck dein Schwert in die Scheide, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26,52) und seh in meinem Herzen – ganz ehrlich - durchaus mörderische, blutrünstige Gedanken zu der Frage, wie man den Kriegstreibern denn das Handwerk legen könnte. Vielleicht ist es darum sogar ganz gut, dass ich ohnmächtig bin, weil ich sonst die Spirale der Gewalt weiterdrehen würde. Und ich höre Jesus sagen: „Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9) Söhne Gottes doch wohl deshalb, weil sie das verwirklichen, was Gott will, weil sie nicht aus eigener Kraft, sondern von Gott her handeln. Und ich ahne, dass wir Menschen nur aus unseren Kräften heraus den Frieden wohl nicht schaffen können, sosehr wir es auch wollen, einfach, weil wir begrenzt sind und nicht alle Möglichkeiten in den Blick nehmen und umsetzen können. Das befreit mich nicht von der Pflicht zu handeln, setzt aber meinem Handeln eine andere Grundlage und Ausrichtung, wie ich sie finde im Gebet: „O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. (Im Gotteslob 19,4) Das bete ich dann gerne in der Gewissheit der Zusage Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ (Joh 14,27). Und ich wünsche ihnen allen die Erfahrung dieses Friedens.

    Pastor Johannes Jaax, Pfarreiengemeinschaft Salmtal

  • Glaube im Alltag 19. Februar 2022_Rainer Marmann_Wohin sollen wir gehen?

    Wohin sollen wir gehen?

    Ach ja, das Leben und die Welt werden immer komplizierter. Nicht zum Aushalten, eigentlich. Wohin sollen wir gehen, haben schon die Jünger Jesus gefragt. Möchten Sie nicht auch manchmal weglaufen, alle Nachrichten abstreifen und in Neues gehen. Aber wohin? Wir haben nur dieses eine Leben, nur diese eine Welt. Sind wir gefangen, auch in uns?

    Wie ist das mit Gott? Wo ist er, gibt er uns Antwort auf unsere Fragen?

    Haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt von IHM wegzugehen? Zu viele Fragen? – Ohne Antworten?

    Sie können die Antwort nur bei sich finden, in Ihrer Stille. Aber.. es wäre möglich, dass Sie trotzdem immer noch zu IHM unterwegs sind, da Sie nicht leer sein wollen. Ach ja: Beten hilft, da Ihnen jemand zuhört!

    Rainer Marmann, evangelischer Christ                     

  • Glaube im Alltag 12. Februar 2022_Monika Klas_Kann man den Glauben vervielfältigen?

    Kann man den Glauben vervielfältigen?

    „Ich brauche etwas von deinem Glauben. Letzte Woche ist unser Kaninchen gestorben und gestern unser Hamster.“ Mit diesen Worten kam einmal eine Freundin auf mich zu, die, mit diesen Tatsachen konfrontiert, nicht nur ihren beiden Kindern Rede und Antwort stehen musste, sondern auch selbst nach einem Weg suchte, mit dem Geschehenen klarzukommen.

    Zugegeben: Es gibt Schlimmeres. Aber was ist schlimm? Das Schlimme einer Situation ist immer auch durch den Zeitpunkt und die Gesamtsituation bestimmt. Und ein fester Glaube wurde sicherlich schon für vermeintlich weniger Schlimmes in Anspruch genommen.

    Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht mehr, wie ich spontan reagiert habe. Aber ich weiß noch, dass ich etwas perplex war. Jeden Tag wollen viele Menschen bisweilen recht viel von mir, aber dass jemand auf diese Art etwas von meinem Glauben haben will, das ist mir zum ersten Mal passiert.

    Wie kann ich überhaupt jemandem in einer solchen Situation von meinem Glauben etwas abgeben? Das geht doch nur, indem ich ihm zuhöre, ihn tröste, ihm Mut zuspreche oder ihm weiterhelfe. Und man darf auch mal zugeben, dass das Leben einem bisweilen doch recht viel abverlangt, wenn ein Leid besonders groß ist oder man das Gefühl hat, dass die schlechten Nachrichten und Ereignisse sich häufen und nicht abreißen wollen.

    Aber noch etwas zeigt eine solche Situation: Jemand, der mich so bittet, wähnt das Erbetene bei mir im Überfluss und diagnostiziert offensichtlich für sich selbst einen Mangel. Woran auch immer das liegen mag …

    Ich habe mir jedenfalls für sie Zeit genommen und ihr zugehört. Wir haben gemeinsam sinniert und nach einigen Minuten war meine Freundin gestärkt und fühlte sich der Situation eher gewachsen als noch vor unserem Gespräch. Für mich und meinen Glauben war das Ganze eine Bereicherung. Das nennt man wohl eine Win-win-Situation.

    Habe ich nun geteilt, abgegeben, weitergegeben oder vervielfältigt? Keine Ahnung! Und das ist auch letztlich völlig egal …

    Monika Klas, Religionslehrerin und konrektorin der Realschule Plus Manderscheid

  • Glaube im Alltag 29. Januar 2022_Wolfram Viertelhaus_Aha – Begegnung - AHA

    Aha – Begegnung - AHA

    „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, stellte der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber fest. Wie sehr Corona unser Leben einschränkt, wird beim Nachdenken über diesen Satz noch einmal besonders deutlich. In dieser Pandemiephase soll Begegnung wieder einmal nicht stattfinden. Im Mangel wird sonst Selbstverständliches in seinem Wert erst richtig wahrgenommen. Jeder möchte auf unterschiedliche Weise seinen Lebenshunger stillen, sehnt sich nach Begegnung und fürchtet die Einsamkeit. Die psychischen Folgen der Corona-Situation müssen genauso in den Blick genommen werden wie die physischen! Wie sehr haben sich die Schülerinnen und Schüler gefreut, als sie wieder in die Schule durften, vor allem, um ihren Klassenkameraden wieder zu begegnen. Auch wird immer mehr erkennbar, was beim Homeoffice fehlt: Das Gespräch auf dem Flur, am Kopierer, in der Kaffeepause…

    Wie kann Begegnung trotzdem gelingen? Phantasie und Kreativität sind gefragt. Wenn die direkte Begegnung schwierig ist, kann z.B. ein Telefongespräch helfen. Ein liebevoller Brief wirkt Wunder. Auch eine Wanderung mit Distanz ist ebenso möglich, wie Besuche unter Einhaltung der Regeln. Dieses Jahr habe ich mich noch mehr als sonst über Weihnachtsbriefe gefreut, die uns unsere Postbotin gebracht hat.

    Gottesdienste ermöglichen Gottes- und Menschenbegegnung. Sie haben sich nicht als Hotspots erwiesen. Das gelingt durch verantwortliches Einhalten von Regeln, auch wenn das Singen mit Maske die Seele nur gedämpft befreit.

    In den Erzählungen des Neuen Testamentes, die von Wundern Jesu berichten, können wir entdecken, dass Heilungen durch Begegnungen mit Jesus ausgelöst werden. So geschieht Heilung durch Begegnung dann, wenn Beziehung entsteht, Blickkontakt stattfindet. Heilung ereignet sich im Dialog durch gläubige Bejahung des Angebotes Jesu.

    Ich wünsche glückende Begegnungen – auch unter Coronabedingungen.

    Wolfram Viertelhaus, Förderverein Autobahnkirche St. Paul Wittlich

  • Glaube im Alltag 22. Januar 2022_Hermann Barth_Frei durch Gott

    Frei durch Gott

     

    „Bitte frei machen!“ Diese Aufforderung kennen wir vom Arzt, kurz vor der Röntgenaufnahme heißt es da: „Bitte frei machen!“ Auch auf mancher Postkarte oder Briefumschlag lesen wir das in jenem Feld, auf das die Briefmarke geklebt werden soll. Und schon fallen einem noch viel mehr Dinge ein, von denen wir uns gerne frei machen würden. Von Corona, von anderen schweren Krankheiten, von Geldsorgen, von politischem Unverstand, von Ungerechtigkeit, von Naturkatastrophen, von Streitigkeiten usw. Die Bibel ist ein Freiheitsbuch. Ziemlich am Anfang wird die Geschichte von Moses erzählt, der zum Pharao nach Ägypten ging und die Freiheit für das Volk Israel forderte. Er konnte das tun, weil Gott ihm den Auftrag und eine Vision für die Freiheit gegeben hatte. Und wenn wir heute im Vaterunser beten „… und erlöse uns von dem Bösen!“, dann beten wir zu demselben Gott, nur mit anderen Worten: „Bitte frei machen!“

    Hermann Barth, Altrich, Diplom Pädagoge und ehemaliger Geschäftsführer des Caritasverbandes

  • Glaube im Alltag 15. Januar 2022_Paul Plehacz_Von Pinguinen lernen!?

    Von Pinguinen lernen!?

    Seit fast 2 Jahren hat uns das Covid-Thema fest im Griff und es belastet Familienleben, Freizeitgestaltung, Beruf und leider auch unser Miteinander. Statt zusammenzurücken scheint unsere Gesellschaft und der Einzelne voneinander abzudriften. Müssen wir so nicht notgedrungen zu Egoisten werden? Wie es anders gehen könnte, ist mir bei einem Artikel im TV vom 7.1. über das Verhalten von Kaiserpinguinen bei kritischen Überlebenssituationen in der antarktischen Kälte, bewusst geworden. Bei Temperaturen von -30 Grad harren die Pinguinmänner dicht gedrängt nebeneinander, an einem Fleck ausharrend aus. Sie stehen so, weil sie in ihrer Bauchfalte das Ei mit dem kommenden Nachwuchs schützen wollen. Indessen gehen die emanzipierten Pinguindamen auf Nahrungssuche. Es gibt laut der beobachtenden Biologen aber ein Problem. Stehen die Männer zu dicht, erhitzen sie; stehen sie zu weit, wird ihnen zu kalt. Ihre Lösung ist genial. Um die individuelle Wohlfühlzone für sich zu finden, verändern sie ständig ihre Position in die gewünschte Richtung. Außerdem wechseln sie sich in den Außenpositionen ab, damit keiner zu lange im kalten Außenwind stehen muss; scheinbar wissen sie, dass nicht der Nebenmann ihr größter Feind, sondern die Kälte und nur gemeinsam kann man sich schützen. So hilft das Ichdenken des einzelnen letztlich der ganzen Sippe. Da es ums gemeinsame Überleben geht, ist das für mich gesunder Egoismus (Liebe den Nächsten wie dich selbst). Krankhafter, zerstörender Egoismus verbindet nicht, sondern trennt und zerstört. Haben die Pinguine Jesu besser verstanden als wir Menschen? Wie die Tiere werden wir unser persönliches Glück und Wohlbefinden nur dann finden, wenn wir uns auch um die anderen kümmern. „Lieblosigkeit macht krank“, behauptet der Hirnforscher G. Huether, demnach müsste ein liebevoller Umgang mit sich und dem Nächsten gesund machen. So wünsche ich uns allen ein gesundes (liebevolles) neues Jahr.

    Paul Plehacz, Lehrer i. R.

  • Glaube im Alltag 8. Januar 2022_Uschi Fusenig_Grenzen überwinden!

    Grenzen überwinden!

    Da machen sich in fernen Ländern einige hochgestellte Herren, wahrscheinlich Sterndeuter, auf einen anstrengenden Weg, sind monatelang unter schwierigen Reisebedingungen unterwegs, um schließlich an ihrem Ziel anzukommen. Dann haben sie nichts Geringeres zu tun als in einer armseligen Unterkunft vor einem kleinen Kind niederzuknien, um ihm ihre Ehre zu erweisen. Sie nehmen dabei keine Rücksicht auf ihre unterschiedliche Herkunft, kulturellen Hintergründe und ihre Religion. All das spielt keine Rolle und es wird auch nicht darüber diskutiert oder abgestimmt. Die Männer sind gekommen, um das neugeborene Jesuskind zu begrüßen, ohne Vorbehalte-allein zu seiner Ehre! Sie haben alle Mühen und Plagen auf sich genommen, für diesen kurzen Moment, der sie ihr Leben lang begleiten wird. Welch ein Engagement würden wir heute sagen, verbunden mit so vielen Ungewissheiten auf der Reise, dass es nur mit sehr viel Mut, Vertrauen und Hoffnung erklärt werden kann. Aber sie setzen damit auch ein Zeichen für uns über die Jahrtausende hinweg. Im Blick auf ihr Handeln wird deutlich, dass Jesus für alle Menschen in der Welt geboren wurde, soziale und kulturelle Grenzen werden durch ihn aufgehoben, sie spielen keine Rolle mehr. Daran sollten wir uns immer wieder erinnern, wenn wir von der Nachfolge in Jesu Namen sprechen und in seinem Namen handeln. Und, weil die weisen Männer schließlich wieder in ihre Heimatländer zurückkehrten, gilt das Fest Epiphanias (Fest der Erscheinung des Herrn), das wir am 6.Januar, bzw. an diesem Sonntag feiern, auch als Tag der Offenbarung Christi an die Heidenwelt und somit als Tag der Mission.  Der Glaube an Jesus Christus als den Messias wird in die Welt getragen. Der christliche Glaube verbreitet sich über den ganzen Erdkreis und prägt das Leben von Millionen Menschen, beeinflusst ihr Leben, das ihrer Familien, Wohnorte, ihrer Länder, ihrer Regierungen und deren Rechtsprechung. Das Christentum ist bis heute eine Weltreligion-die ihre Quelle in einem armseligen Stall in Bethlehem hatte, einem besonderen Ort, der richtungsweisend für das zukünftige Verständnis des Geschehens sein sollte. Wir können uns nur immer wieder beugen, wie die hochgestellten Männer damals, hinab zu dem kleinen, unscheinbaren Wesen, das in sich so viel Wunderbares verbarg, denn:

    „Es ist in ihm erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, damit wir gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die Herrlichkeit unseres Heilands Jesus Christus (nach Titus 2.11-13)

    Uschi Fusenig, Prädikantin der Evangelischen Kirchengemeinde Bernkastel-Kues